Anfang März 2014. Meine erste längere Rucksacktour habe ich 2014 von Goslar nach Nordhausen im Harz gemacht. Mein Equipment war neu und musste ausprobiert werden, so war ich drei Tage unterwegs. Hätte es damals schon das große Busunternehmen gegeben, wäre ich wahrscheinlich günstiger nach Goslar gekommen. Aber ich fuhr für 60 Euronen hin und von Nordausen wieder nach Berlin zurück, günstiger wars nicht möglich.

OkertalsperreInsgesamt hatte ich rund 120€ für die Tour geplant. Auf meinem Weg über die Okertalsperre Richtung Brocken/Schierke gab es keine Campingplätze und erst in Schierke wieder Hotels. Das Wetter war durchwachsen und böig. Ich erreichte am ersten Abend nach rund 15 Kilometern die Stelle, die ich mir vorher nur am PC über Basecamp rausgesucht hatte. Die erste Nacht verbrachte ich auf halber Strecke an dem kleinen Bächlein Kalbe, nicht weit nach der Okertalsperre. Es ist ein riesen Unterschied, die Tour einfach nur nach Karten zu planen oder zumindest schon mal irgendwie in der Gegend gewesen zu sein. Ich konnte eigentlich nirgendwo mein Zelt aufstellen, wo ich nicht direkt auf Wurzeln und hartem Geäst campiert hätte. Eine gute Isomatte hatte ich noch nicht und so schlief ich auf diesen günstigen Evazote Schaumstoffdingern, jede Wurzel drückte durch. Die vollkommen überflüssige einkiloschwere Zeltunterlage war da zwar nützlich, hatte sie aber auf allen späteren Touren nicht mehr dabei, weil zu schwer.

Jedenfalls blieben mir, nach den Ausgaben für die Bahn, noch rund 60€. Ich kaufte von diesem Geld Verpflegung ein, ließ aber das Wasser weg. Laut Karten gab es überall Frischwasser aus kleinen Quellbächen. Für die erste Tour hatte ich natürlich zu viel mit, auch zu viel Verpflegung. Ich dachte wohl ernsthaft, ich würde ins Outback fahren! 🙂

  • – 200g ungarische Salami
  • – 250g Reis
  • – 500g Nudeln
  • – 4 x Tütensuppe Tomate
  • – 100ml Leinöl
  • – 120g Macadamia Nüsse
  • – 100g Schokolade
  • – 100g Mehl für Brot backen

Naturgemäß kauft man zu Beginn einer Wanderkarriere eher günstigen Shit, weil man ja auch gar nicht weiß, was unverzichtbar ist, oder besser zu Hause geblieben wäre. So kam ich bspw. erst sehr spät auf Merino Klamotten. Klar kann man viel in den Foren lesen, aber das ersetzt eben nicht das eigene Erleben. Denn ich ging immer davon aus, dass die Wolle kratzt. Doch hätte ich mir das Arschabfrieren ersparen können. Ich wollte ja ausprobieren, so hatte ich auch alles mit, was mir sinnvoll erschien. Drei paar Socken, drei T-Shirts/Unterbüchsen, Backup-Pulli, Poncho, ich hatte kurzum an alle Eventualitäten gedacht. Aber hauptsache meine Deichmanntreter waren solche alten Mokassins aus Stoff, in denen ich super laufen konnte.

Endlich NichtraucherNach rund 5 Kilometern 10% Steigung kurz hinter Goslar, war ich bereits schweißnass und fror sehr stark in diesen einfachen Baumwollshirts und einer leichten Softshelljacke, weil mir bei jeder Bewegung Wind in die Zwischenräume zog. Die fast 25 Kilogramm auf dem Rücken taten ihr Übriges, meine Kraft sehr schnell zu verlieren. Damals rauchte ich noch Zigaretten wie eine Schmalspurdampflock.

Auf jeden Fall blieben für eine Übernachtung in Schierke noch rund 40€ von meinem Harz-Reisebudget übrig. Viel war dann nicht mehr drin. Für eventuelle Notfälle hatte ich noch einen Puffer von einhundert Euro dabei, aber den brauchte ich noch für die restlichen Tage des Monats. Im nachhinein war das eine sehr spartanische Reise. Luxus und Wonne sahen anders aus. Egal, rauf auf den ollen Brocken!

Der BrockengipfelNoch rund 5 km Luftlinie von hier aus. Die Nacht war aufregend und gepennt habe ich nicht wirklich gut. Die erste Nacht allein in freier Natur, da geht einem schonmal der Allerwerteste auf Grundeis. Ich sagte mir, vor den Bewohnern des Waldes hast Du nichts zu befürchten. Wenn Du vor etwas Angst haben solltest, dann vor anderen Menschen. Nach Mitternacht schlief ich dann seelig ein, mein Pfefferspray am Zelteingang platziert.

Es ist schon bemerkenswert, welche Dämonen durch das dauerhafte Konsumieren von Filmen und irgendwelcher Horrorgeschichten in uns weiterleben und uns vom schlichten Wetterphänomen Dunkelheit entfremden. Das natürlichste war für den Menschen schon immer, in der Natur zu leben und, zwar in der Dunkelheit mangels körperlicher Fähigkeiten stets wachsam, aber nicht ängstlich zu sein. Dann kam Chucky die verfickte Mörderpuppe, und Regan McNeil schläft seitdem neben mir im Schlafsack. Mit ein wenig Übung und dem Vertrauen auf das Ende der Nacht, kann man alles jedoch gut überstehen. Irgendwann wage ich nochmal eine ultimative Challenge: ich laufe Nachts vom Liepnitzsee zurück nach Bernau und höre dabei Hörspielhorrorgeschichten, oder die Audiospur von The Grudge!

harztour-2014-38-andereDie schönste Strecke bisher begann hier mit dem Götheweg. Dem Brocken über malerische Pfade und marode Waldstücke entgegen. Musik auf den Ohren ist für meine Reisen bisher unerlässlich, und so stolzierte ich den Weg lang. Von Beschwerlichkeit keine Spur mehr. Außerhalb der Saison ist man auf diesen Pfaden auch überwiegend allein unterwegs und kann die Atmosphäre ungestört genießen.

Langsam wuchs kaum merklich die Steigung zum Gipfel hin an und die Anstrengung sorgte für wiederkehrende Pausen. Ich hatte große Vorfreude auf die Aussicht und den persönlichen Etappensieg. Von weitem sah der Berg ja relativ niedlich aus. Bis hierhin habe ich geglaubt, dass nur die alpinen Dreitausender wirklich anstrengend sein müssten, den hier schaffte ich doch mit dem Linken Fuß! Aber schon zwei kleine Kilometer später war ich schon so gut wie zerstört, fluchte ungehört und jammerte wie ein Esel. Spätestens hier zeigte meine Ausrüstung ihre Schwachstellen. Die Baumwolle wärmte nicht die Bohne an der Haut, wenn sie feucht war, und die Überjacke war definitiv zu wenig atmungsaktiv für die Anstrengung, so steckte ich in einem feuchtkalten Kreislauf fest. Optimale Bedingungen für eine Erkältung. Zukünftig müsste ich mehr im Zwiebelprinzip unterwegs sein, mit mehr Möglichkeiten zur Anpassung. Gerade bei geringeren Temperaturen wie diesen; es war gerade mal 12°C warm.

harztour-2014-45-andereSchließlich kehrte ich auf die Zufahrtsstraße zum Gipfel ein. Fast geschafft. Zwei Omas stiefelten forschen Schrittes den Weg vorbei und würdigten meinen Aufstieg mit einem leichten Schmunzeln um die Mundwinkel. Wie fit kann man sein? Die letzten 300 Meter waren für mich ein regelrechter Gewaltmarsch, wobei die Steigung nur etwa 5% betrug, bei 14 km Tagesleistung – ich würde zu Hause unbedingt trainieren müssen, um fitter zu werden.

Auf dem Gipfel gönnte ich mir erstmal zwei kalte Biere und suchte nebenbei noch einen Geocache (Wolkenhäuschen). Hier oben herrschte etwa Windstärke 10 und es fegte mich fast den Hang runter. Nach ein paar Stunden, es fing gerade an zu nieseln, verließ ich den Gipfel und machte mich endlich auf den Weg nach Schierke zum Hexensteig, einer sehr angenehmen Pension im Hermann-Löhns-Weg. Dieser Abschnitt der Wanderung ist mir am besten im Gedächtnis geblieben. Der Abstieg verlief in einer traumhaften Landschaft, gesäumt von moosbewachsenen Findlingen, entlang eines Baches.

Im Hexensteig interessiert man sich für die Belange der Gäste und der Inhaber hat zum Frühstück noch ein paar gute Tips für eine Zusatzwanderung, die ich am nächsten Tag machen wollte. Ich kränkelte etwas und hatte eigentlich keine Lust mich komplett fertig zu machen, also beschloss ich, am nächsten Tag die kleine Wanderung zu machen, am übernächsten Tag dann aber mit der Schmalspurbahn den restlichen Weg nach Nordhausen zu fahren. So blieb ich noch zwei Nächte in der Pension und machte es mir gemütlich. Meinen finanziellen Notgroschen plünderte ich zufrieden.

harztour-2014-65-andereAm nächsten Tag warteten zwei Caches auf mich. Einen direkt am Bahnhof Schierke und den anderen bei der Vogelherdklippe, einem düsteren Ort etwas abseits der Strasse im Wald. Den hab ich zwar nicht finden können, aber dafür hat der Cache am Bahnhof Laune gemacht. Nach einem guten Abendessen bei einem Asiaten in der Stadt, ich war der einzige Gast, kehrte ich zur Nacht aufs Zimmer zurück und schlief auch bald ein. Ich hatte mir tatsächlich eine kleine Erkältung von den letzten beiden Tagen eingefangen. Ich würde unbedingt Funktionskleidung oder diese Merinowolle ausprobieren müssen. Die Phasen einer Wanderung, bei denen man ausruht und dabei auskühlt, sind nicht zu unterschätzen. Nach einem guten Schlaf packte ich mich dick ein und machte mich gemütlich auf den Weg nach Sorge, um von dort die Schmalspurbahn nach Nordhausen zu nehmen.

Zu dieser Jahreszeit fuhr ich mit dem Zug nahezu allein, nur weiter vorn in den Abteilen waren andere Menschen und ich verbrachte zufrieden die Fahrt auf den Wagongittern. Nach 30 Kilometern und ein paar Zwischenstops und Umstiegen, kam ich dann schließlich in Nordhausen an, wo meine Reise endete und ich mit der Regionalbahn nach Hause fuhr. Ende.

Mein Fazit zu dieser Tour: auch wenn man anfangs dazu neigt, die Strecke zu unterschätzen, ist sie doch anspruchsvoll. Mit ein wenig mehr Übung und Fitness hätte sie aber sicher viel mehr Spaß gemacht. Und beim nächsten Mal lieber zu zweit und eine andere Route, vielleicht von Werningerode aus zum Brocken. Der erste Abschnitt bis zur Okertalsperre ist mir auf jeden Fall nicht sonderlich in Erinnerung geblieben. Schierke und die Umgebende Landschaft ists aber auf jeden Fall wert, nochmal besucht zu werden. 🙂